

Zwei rote Sofas mitten in der Fußgängerzone, auf ihnen ständig wechselnde Besetzung. Viele Münsteraner, darunter auch Lokalprominenz aus Kultur und Politik, nutzten die Fotoaktion "Schnappschüsse für ein Bleiberecht" am 5. September zur öffentlichen Solidarisierung mit den 302 umittelbar von der Abschiebung bedrohten Roma aus Münster.
Zu der Veranstaltung aufgerufen hatten die GGUA Flüchtlingshilfe, die Asylgruppe Münster von Amnesty International und die S.O.S. Rroma-Initiative Münster. Der Andrang war gewaltig. Trotz vieler kurzer Regenschauer und reichlich kühler Windböen bildeten sich immer wieder Warteschlangen. Die beiden Fotografinnen Luciana Ferrando und Ulrike Löw fotografierten quasi "im Akkord".

„Nach den Erfahrungen mit Flucht und Vertreibung sollten wir eigentlich gelernt haben, dass Abschiebung unmenschlich ist.“
“Wir kennen die Romakinder seit 1 ½ Jahren (Schulaufgabenhilfe). Es wäre schlimm, wenn sie Deutschland verlassen würden. Wir mögen sie!”
Kaya Valérie Dijena Doumbouya, Gmnasiastin:
“Wir kennen die Romakinder sehr gut und mögen sie sehr gern. Sie müssen auf jeden Fall bleiben!”
Clara Pauline Bönisch, Gymnasiastin:
“Wir kennen sie sehr gut und verstehen uns sehr gut mit ihnen. Wir haben zwei Jahre lang viel mit ihnen gemacht und möchten, dass sie bleiben!”
Henrike Steiner, Studentin Volkswirtschaftslehre:
“Der Zusammenhalt der Völker und die Sicherheit aller muss unterstützt werden!”
„Roma in den Kosovo abzuschieben ist unmenschlich!! Ich habe viele Jahre mit Roma ehrenamtlich gearbeitet und wunderbare Familien kennen gelernt. Ich war auch oft wütend über andere Familien, die ihren Kindern den Wert von Schulbildung weder vorlebten noch vermittelten, obwohl wir unentgeltliche Schulaufgabenhilfe angeboten haben. Aber trotzdem, Abschiebung ist und bleibt unmenschlich!“
„Es sollte ein Menschenrecht sein, gewaltlos aufwachsen zu können, genug zu essen zu haben, medizinisch versorgt zu werden, seine Kinder in Frieden aufwachsen zu sehen ....Doch das ist nicht das, was diesen Menschen bevorsteht, wenn sie in den Kosovo zurückkehren müssen! Deshalb bin ich gegen die Abschiebung! Denn: Wenn wir nicht das "Glück" gehabt hätten, deutsche Staatsbürger zu sein, wären wir es vielleicht, die zu einer Minderheit und dadurch unterdrückter Menschen gehören würden!"
„Ich schäme mich. Ich bin Jahrgang 1940. Der deutsche Staat, in den ich hineingeboren wurde, hat per Gesetz Juden, Roma u. andere in Lager und in den Tod geschickt. Wir erkennen das heute als Unrecht. Trotzdem werden Gesetze erlassen und deren Umsetzung verfügt, die gegen Menschenrechte verstoßen. Wir müssen Widerstand leisten!!! Keine Partei, keinen Politiker wählen, der diesem Gesetz zugestimmt hat!!!“
„Ich bin generell dagegen, Menschen gegen ihren Willen auszuweisen, noch dazu, wenn es sich um Roma handelt, die im Kosovo mehrfach diskriminiert und gefährdet sind. Auch die Dauer des Wohnens in der Bundesrepublik ist zu beachten. Über 10 Jahre! Auch die hier geborenen Kinder dürfen nicht in den Kosovo zurück. Es wäre unmenschlich.“
„Ich finde es wichtig, dass die Menschen nicht ausreisen müssen. Sie haben sich hier ein Leben aufgebaut. Deutschland ist ein freies Land und jeder soll hier leben können und glücklich sein. Warum haben sie weniger Recht hier zu leben als Menschen, die sich deutsch nennen? Dafür möchte ich mich einsetzen. Deshalb lasse ich mich fotografieren.“
„Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch frei hier in Deutschland leben können. Besonders diese Roma-Familien sollten nicht zu einer „freiwilligen“ Ausreise gezwungen werden, um in ein Land (zurück)gehen zu müssen, in dem sie bei unter null anfangen müssen, ihre Freunde verlieren/Arbeit/Nachbarn oder gar politisch verfolgt werden. Das geht gegen die Menschenrechte!"