Willkommen zuhause

Aus dem Film: Der ins Kosovo abgeschobene traurige junge Mann sagt in akzentfreiem Deutsch, dass er ohne zu zögern nach Deutschland zurückkehren würde, wenn ihm das jemand ermöglichen könnte.
Elvira Ajvazi und Katrin Schnieders erläuterten die Situation und beantworteten Fragen des Publikums.

 

Nahezu 100 Zuschauer und Zuschauerinnen hatte der Dokumentarfilm „Willkommen zuhause“, den Aktion 302 am 15.6.2011 in Kooperation mit dem Cinema zeigte. Der 70-minütige Film aus dem Jahr 2011 gab einen Einblick in das Schicksal geduldeter und abgeschobener Roma in Deutschland und im Kosovo. Eindringlich machten vor allem die im Film zu Wort gekommenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen klar, dass ihr Lebensmittelpunkt und ihre Heimat in Deutschland ist. Sie fühlen sich durch die Abschiebung brutal herausgerissen aus Freundeskreis und Schule in Deutschland - der Kosovo steht ihnen fremd und mitunter feindlich gegenüber. Die meisten beherrschen nicht einmal die dortige Umgangssprache, gehen deshalb oder aus Angst vor Kränkungen nicht zur Schule und verbringen die Zeit mit ihrer Familie in dem engen Wohnraum, den ihnen bei Glück ein Verwandter oder Bekannter überlassen hat. Sie sehen keine Lebensperspektive im Kosovo, ihre einzige Hoffnung ist es, wieder nach Deutschland zu kommen - obwohl das mit einer Einreisesperre sehr unwahrscheinlich ist.

Im Gespräch nach dem Film beantworteten Elvira Ajvazi, Roma-Aktivistin aus Münster, und Katrin Schnieders, selber Dokumentarfilmerin und durch Reisen und Arbeitskontakte mit den Verhältnissen im Kosovo vertraut, die Fragen des Publikums. Sie machten verständlich, dass jahrelange Arbeitsverbote und fehlender Kontakt zu Einheimischen sowie die permant ungewisse aufenthaltsrechtliche Situation die geduldeten Flüchtlinge in Deutschland entmutigt haben, so dass sie die für das gesetzliche Bleiberecht erforderlichen Integrations- und Einkommensnachweise innerhalb der Fristen nicht erbringen konnten. Zu der Frage nach Wiedereingliederungshilfen im Kosovo erläuterten sie, dass es wohl eine Strategie und einen Aktionsplan der kosovarischen Regierung gäbe, die jedoch nicht umgesetzt werden - Kosovo ist nicht in der Lage, auch diese Last zu schultern. Deutsche Repatrisierungsprojekte sind vor allem für freiwillige Rückkehrer vorgesehen und sind im Übrigen auf nur kurzfristige Hilfen angelegt.

Zur Vertiefung:

OSCE Mission in Kosovo: Implementation of the Action Plan on the Strategy for the Integration of the Roma, Ashkali and Egyptian Communities in Kosovo (Mai 2011, englisch)

Roma & Ashkalia Documentation Center: Minority Consultative Mechanisms in Kosovo (englischer Teil, November 2010)
Roma & Ashkalia Documentation Center: Repatriation without Responsibility. The nature and implications of Roma, Ashkalia and Egytian forced repatriation to Kosovo (englisch, Oktober 2010)
Roma & Ashkalia Documentation Center: Helplessness. Roma, Ashkalia and Egyptian Forced Returnees in Kosovo (englisch, August 2009)